Geduld ist gefragt

Der BSLA führte am 3. November 2022 zum vierten Mal ein Unternehmerforum für seine Mitglieder durch. Es fand wiederum online statt. Thema dieses Jahr: Grundlagen, Honorare, Kennzahlen.

Aufgrund Intervention der Weko wurden 2019 die Berechnungsgrundlagen für die Honorarberechnung ausser Kraft gesetzt. Auch die Lohn-und Kennzahlenerhebungen wurden eingestellt. Seitdem fehlt den Planungsbüros ein verbindliches Werkzeug für die Kalkulation des Stundenaufwandes sowie jegliche Information zur Entwicklung von Lohn-und Kennzahlen der Planungsbranche in der Schweiz. Mit der «Value app», dem Projekt «Benchmarking» und weiteren Massnahmen will der SIA diese Lücken bis in wenigen Jahren schliessen.

Ebenfalls seit 2019 beschäftigt sich der SIA intensiv mit der Schaffung von zukunftsfähigen Leistungs- und Honorarordnungen. In einer ersten Etappe sollen die betroffenen Ordnungen inhaltlich nachgeführt und an den Stand der Technik angepasst werden. In einer zweiten Etappe will sich der SIA Gedanken über neue Anwendungsformen machen.

In seinem Inputreferat rief Stephan Herde, Geschäftsführer und Partner Krebs und Herde GmbH Landschaftsarchitekten BSLA und Vorstandsmitglied BSLA die Mitglieder auf, sich für faire, transparente Verfahren und Beschaffungsprozesse einzusetzen, als teilnehmende Büros, als Juror/in, als Verfahrensbegleiter/in oder in den verschiedenen Gremien des Berufsverbandes. Von den Büros fordert er konsequent unternehmerisches Handeln. Dabei geht es um die Nachkalkulation der Projekte und das Ermitteln der projektspezifischen Kennwerte Nur auf einer breiten und verlässlichen Datenbasis können zukünftige Tools für unsere Branche praxistauglich entwickelt werden.

Sonja Ellermeyer und Andreas Loscher, Projektverantwortliche beim SIA  stellten die geplanten neuen Wege für die Honorarkalkulation vor. Zwei von vier Massnahmen für den Art. 7 der Honorarordnungen sind  das Benchmarketing sowie die neue Value App. Das Benchmarking-Projekt steckt noch in einer frühen Phase. Erst am 1. Dezember 2022 entscheidet der SIA-Vorstand über die Durchführung. Ziel ist, den Mitgliedern ein integriertes Kalkulationstool mit eigenen Daten und weiteren Funktionen wie Lohnrechner oder individuelle Beratung anzubieten.

Die Value App als neues Aufwandmodell, welche der SIA zusammen mit der ETH Zürich entwickelt, befindet sich in der Testphase und diese beschränkt sich auf Architektur-Leistungen nach SIA 102. Die determinierenden Grössen für die Landschaftsarchitektur sollen in einer zweiten Plase bis 2023 ermittelt werden. Für beide Projekte sucht der SIA Planungsbüros, die ihn während der Test- und Pilotphase unterstützen mit Testdaten und aktiver Mitarbeit unterstützen. Interessierte melden sich bitte direkt bei digital@sia.ch. Bis zur Lancierung beider Tools wird es noch rund zwei Jahre dauern.

Zum Schluss informierte Florian Bischoff,  Präsident Kommission SIA 105 über den Stand der Revision der Leistungs- und Honorarordnungen. Neben der 105 umfasst diese auch die 102, 103 und 108. Die Revision ist inhaltlicher Natur  und ihr Fahrplan losgelöst von den Ersatzmassnahmen für Art. 7. Die Ordnungen bilden die gemeinsame Grundlage der Planungsprozesse und der disziplinenübergreifenden Zusammenarbeit. Sie haben neu eine einheitliche Struktur. Wichtig, so Bischoff: Sie decken den Normal-  und nicht jeden möglichen Spezialfall ab und schreiben keine Methode vor. Auch die revidierten Ordnungen sollen 2024 verabschiedet werden.

Es zeichnet sich also ab, dass bis dahin die Verantwortung für eine plausible und transparente Kalkulation bei den Büros und den Bestellern liegt. Die gute alte Formel der Honrarberechnung nach Baukosten wird nach wie vor fleissig angewandt werden. Aber auch danach wird es nicht mehr ein alleinseligmachendes Tool geben. Es zeichnet eher ein Markt unterschiedlicher Modelle ab. Welche sich durchsetzen werden, wird sich weisen.