Bund Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen
Fédération Suisse des Architectes Paysagistes
Federazione Svizzera Architetti Paesaggisti

Landschaftsarchitekt
Landschaftsarchitektin


Der Beruf der Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen hat eine lange Tradition. Gestaltete der "Gartenarchitekt" vergangener Jahrhunderte höfische Gärten und Parkanlagen, so hat sich das heutige Berufsfeld wesentlich verändert und erweitert. Das rasante Wachstum der Städte und Agglomerationen, die Zunahme der Verkehrswege und der Erholungsansprüche, die Veränderungen in der Landwirtschaft und der Schutz von wertvollen Landschaften und Biotopen verlangen ausgewogene raumplanerische, gestalterische, technische und ökologische Lösungen. Die Bedeutung und die Qualität unserer gestalteten Umwelt, der Landschaft sowie der öffentlichen und privaten Freiräume unserer Städte und Dörfer rücken immer mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung, Gestaltung und nachhaltigen Entwicklung unserer Landschaften und Freiräume.

Vielfalt

Je nach Aufgabe stehen folgende Ziele im Vordergrund
  • Die kreative Weiterentwicklung der Landschaftsarchitektur als Bestandteil und Ausdrucksform der Gegenwartskultur.
  • Die Gestaltung und qualitative Verbesserung des Lebensraumes des Menschen, namentlich des Wohn- und Arbeitsumfeldes, der Erholungsräume und Freizeiteinrichtungen.
  • Die Erhaltung und Förderung der ökologischen Vielfalt und Qualität der Landschaft als natürliche Lebensgrundlage von Menschen, Tieren und Pflanzen.
  • Die Erhaltung, der Schutz und die Förderung des Kulturgutes Garten.
  • Die Pflege und die Förderung des vernetzten Denkens und ökologischen Bewusstseins im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung der Lebensräume.
  • Die Pflege und die Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit in den Bereichen Landschaft und Freiraum.

Berufsanforderungen

Die grosse Spannweite der verschiedenartigen Tätigkeiten im Bereich der Landschaftsarchitektur verlangt nach entsprechend vielseitigen Begabungen und Interessen.Wesentliche Voraussetzungen sind: Schöpferische und gestalterische Fähigkeiten, zeichnerisches Talent, gutes Vorstellungsvermögen, logisches Denken, Freude an der Natur, Interesse an Ökologie und Naturwissenschaften, technisches Verständnis, Sicherheit im mündlichen und schriftlichen Ausdruck, Einfühlungsvermögen, Kontaktfreude und Teamfähigkeit.

Tätigkeitsgebiete

Freiraumgestaltung / Gartenarchitektur
Die Freiraumgestaltung und Gartenarchitektur umfasst die Projektierung, die technische Bearbeitung, den Schutz und die Pflege aller privaten und öffentlichen Freiräume und Anlagen.
  • Privatgärten
  • Freiraum zu Mehrfamilienhäusern, Industrie- und Verwaltungsbauten, Hotels, Restaurants, Spitälern, Schulen und Altersheimen
  • Sport-, Erholungs- und Freizeitanlagen, Spielplätze, Friedhöfe, Tiergärten, botanische Gärten, Ausstellungs- und Sondergärten
  • Freiräume wie Parks, Plätze und Strassenräume
  • Gartendenkmalpflegerische Aufgaben wie Inventare, Schutz-, Entwicklungs-, und Pflegekonzepte für historische Anlagen
  • Pflegekonzepte und -massnahmen für öffentliche und private Freiräume

Landschaftsgestaltung
  • Massnahmen zur Eingliederung von Verkehrsbauten, Siedlungen, Freizeit- und Industrieanlagen in die Landschaft und den Naturhaushalt
  • Ingenieurbiologische Bauten und Schutzmassnahmen
  • Bauliche und pflegerische Aufwertung von Natur- und Landschaftselementen wie Gewässer, Magerstandorte, Hecken und Waldränder, usw.
  • Gestaltung von Kies- und Lehmgruben, Steinbrüchen und Deponien
  • Schutz- und Pflegemassnahmen in Naturschutzgebieten sowie Pflegekonzepte und -massnahmen im Bereich Natur- und Landschaftspflege

Landschaftsplanung
  • Ökologische Aufwertungs-, Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen
  • Begleitung und Überprüfung der Planung von Bauvorhaben in der Landschaft (Verkehrs-, Erholungs-, Ver- und Entsorgungsanlagen, usw.)
  • Umweltverträglichkeitsprüfungen und -berichte
  • Landschaftsplanung innerhalb der Orts- und Regionalplanung. Erstellen von Inventaren, Richt- und Nutzungsplänen, Ausscheiden von Naturschutz-, Landschaftsschutz- und Erholungsgebieten, usw. Programme mit Gestaltungs- und Entwicklungsmassnahmen
  • Landschaftsentwicklungskonzepte und –programme

Freiraumplanung
  • Standortplanung und Nutzungsprogramme für öffentliche Anlagen wie Park- und Seeuferanlagen, Erholungs-, Spiel- und Sportanlagen, Friedhöfe, Familiengartenareale
  • Planung von Fuss- und Radwegnetzen
  • Mitarbeit bei Quartier-, Gestaltungs- oder Überbauungsplänen
  • Ökologische und räumlich-ästhetische Konzepte zu Schutz, Entwicklung und Vernetzung der Grünräume und -elemente (Grünzüge, Alleen, usw.)

Ausübung

Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten arbeiten sehr oft in interdisziplinären Teams. Durch den Kontakt mit unterschiedlichen Disziplinen verlangt die Tätigkeit der Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten eine vertiefte Auseinandersetzung mit gestalterischen, naturwissenschaftlichen, technischen, rechtlichen und politischen Fragestellungen. Es bieten sich verschiedene Möglichkeiten der Berufsausübung:
  • Freischaffend mit eigenem Planungsbüro
  • Mitarbeiter/in in einem Landschaftsarchitekturbüro
  • Mitarbeiter/in in der öffentlichen Ämtern, Körperschaften oder Organisationen
  • Lehrtätigkeit an Hoch- und Fachhochschulen oder Berufsschulen
Im Rahmen der Projektierung eines Bauwerks oder einer Anlage erstreckt sich die Tätigkeit von der ersten Entwurfsskizze über die Projekt-, Ausführungsplanung und die Submission bis zur Begleitung der Ausführung und des Unterhalts eines Werkes.
Auf dem Gebiet der Planung reicht die Tätigkeit von Studien und Konzepten über die Inventarisierung bis zum Erarbeiten eines Richt- oder Nutzungsplanes.

Ausbildung

Die Ausbildung zur Landschaftsarchitektin bzw. zum Landschaftsarchitekt erfolgt in der Schweiz an einer der beiden Fachhochschulen mit Abteilungen für Landschaftsarchitektur
  • HSR Hochschule für Technik Rapperswil: Bachelor of Science in Landschaftsarchitektur
  • hepia Haute Ecole du paysage, de l'ingénierie et de l'architecture Genf: Bachelor of Science en architecture du paysage
Eine universitäre Ausbildung ist zur Zeit nur im Ausland möglich.

Voraussetzungen für das Bachelor-Studium
  • Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität oder gymnasiale Maturität (Aufnahmeprüfung in Ausnahmefällen)
  • HSR: Abschluss einer Berufslehre als Gärtner/in EFZ Fachrichtung Garten und Landschaftsbau oder Zeichner/in EFZ
  • HSR: Topfpflanzen-, Schnittblumen-, Stauden- und Kleingehölzgärtner/innen, Baumschulisten/innen und Förster/innen müssen vor Studienbeginn ein halbjähriges Praktikum absolvieren.
  • hepia: einjähriges Praktikum auch für obenstehende Berufe
  • Allen anderen Berufsleuten sowie Inhabern/innen einer gymnasialen Maturität wird die zweijährige Kurzlehre mit Lehrabschluss als Landschaftsgärtner/in empfohlen. Auf jeden Fall haben sie ein mindestens einjähriges Praktikum zu absolvieren.